Illustration Hinweisgebersystem

Was ist ein Hinweisgebersystem und wer muss eines führen?

Ein digitales Hinweisgebersystem ermöglicht es Personen anonym auf Missstände in Unternehmen hinzuweisen. Der Ausdruck „Hinweisgebersystem“ wird dabei synonym für ein System verwendet, das Mitarbeitenden und Dritten des Umfeldes einen vertraulichen Kommunikationskanal bietet, um Informationen über unregelmäßige Aktivitäten, Regelverstöße oder andere Missstände zu melden. Ein Hinweisgebersystem ist ein zentrales Element moderner Unternehmensführung und ein integraler Bestandteil eines Compliance Management Systems, das die Einhaltung von Recht, Gesetz und internen Regelungen sicherstellt.

Die Whistleblowing-Richtlinie der EU verpflichtet Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden zur Einrichtung eines Hinweisgebersystems. In Deutschland wurde diese Richtlinie durch das Hinweisgeberschutzgesetz umgesetzt, das im Juli 2023 in Kraft trat. In Österreich gilt das HinweisgeberInnenschutzgesetz seit August 2023. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass Unternehmen ihren Mitarbeitenden und Geschäftspartnern ein Whistleblowing-System anbieten müssen, das den Schutz der Hinweisgebenden (Hinweisgeberschutz) und die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben zur Priorität macht. Die Einführung eines Hinweisgebersystems unterliegt der Zustimmungspflicht des Betriebsrats, sofern vorhanden. Die EU-Richtlinie gibt keine technischen Vorgaben, fordert aber die Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Meldungen müssen innerhalb von 7 Tagen bestätigt und innerhalb von 3 Monaten beantwortet werden.

Ein Hinweisgebersystem fördert Transparenz, Vertrauen, ein besseres Betriebsklima und eine ethische Unternehmenskultur. Es ist ein wertvolles Instrument zur Aufdeckung von Korruption, Betrug, unregelmäßigen Aktivitäten und Regelverstößen. Die Kraft digitaler Hinweisgebersysteme liegt in ihrer Fähigkeit, Compliance-Standards und Datenschutz effektiv durchzusetzen. Die Auswahl des Systems sollte sich an den spezifischen Bedürfnissen und Prozessen des Unternehmens orientieren. Die Implementierung kann je nach Funktionsumfang von wenigen Tagen bis zu sechs Wochen dauern und erfolgt häufig mit Unterstützung externer Anbieter. Die regelmäßige Kommunikation über das Hinweisgebersystem im Unternehmen sowie die Schulung der Mitarbeitenden sind entscheidend, um Vertrauen zu schaffen und die Nutzung zu fördern.

Hinweisgebersysteme bieten verschiedene Kommunikationskanäle wie digitale Plattformen, E-Mail-Postfach, Whistleblowing Hotline, Ombudspersonen oder Briefkasten. Digitale Systeme ermöglichen eine anonyme und vertrauliche Meldung rund um die Uhr und lassen sich in bestehende Compliance-Management-Plattformen integrieren. E-Mail-Postfächer bieten meist keinen ausreichenden Datenschutz und keine echte Anonymität. Whistleblowing Hotlines und Ombudspersonen sind vertraulich, aber in der Erreichbarkeit eingeschränkt und oft kostenintensiv. Briefkästen ermöglichen eine vertrauliche Meldung, sind aber in der Kommunikation limitiert. Die Kombination verschiedener Meldewege kann die Effektivität des Hinweisgebersystems erhöhen.

Das Umfeldes eines Hinweisgebersystems umfasst nicht nur Mitarbeitende, sondern auch Geschäftspartner, Lieferanten und Bürger, die als betroffene Personen Hinweise geben oder von Regelverstößen betroffen sein können. Die Rolle der Ermittler, die Aufklärung und Untersuchung von Hinweisen sowie die Wahrung von Fairness und Transparenz im Prozess sind entscheidend, um die Rechte aller Betroffenen zu schützen. Klare Prozesse und Verfahrensordnungen sind notwendig, um die Bearbeitung von Hinweisen effizient und rechtssicher zu gestalten. Der Inhalt und die Informationen einer Meldung sind für die Qualität der Bearbeitung ausschlaggebend. Ein strukturierter Austausch und die Kommunikation zwischen Hinweisgebenden und Bearbeitern sind für die Aufklärung und Untersuchung von Regelverstößen unerlässlich.

Digitale Hinweisgebersysteme bieten zahlreiche Vorteile: Sie ermöglichen die Textdokumentation von Hinweisen, gewährleisten Anonymität, sind 24/7 erreichbar und lassen sich in Compliance-Plattformen integrieren. Beispiele aus der Praxis zeigen die Vielfalt der Systeme: Audi ermöglicht anonyme Meldungen und informiert Hinweisgebende über den Bearbeitungsstand. Das BPO-System von Mercedes-Benz bietet einen neutralen Mediator für vertrauliche Meldungen. Siemens etablierte nach einem Korruptionsskandal ein Hinweisgebersystem zur Prävention und Aufdeckung von Fehlverhalten. Die Deutsche Bahn nutzt ein internes System für anonyme Hinweise, während die Stadt Hamburg Bürgern eine Hotline und ein Online-Formular zur Meldung von Korruption bietet.

Definition und Funktion eines Hinweisgebersystems

Illustration Schutz

Ein Hinweisgebersystem, auch als Whistleblower-System bekannt, ist ein zentrales Instrument für Unternehmen und Verwaltungen, um Hinweise auf Fehlverhalten, Verstöße gegen Gesetze oder interne Richtlinien sowie Missstände frühzeitig zu erkennen. Über ein solches System können sowohl Mitarbeitende als auch externe Personen – wie Geschäftspartner oder Kunden – vertraulich und sicher Meldungen abgeben. Das Ziel ist es, Compliance-Risiken zu identifizieren und zu minimieren, bevor sie zu größeren Problemen oder Reputationsschäden führen.

Im Rahmen eines modernen Compliance-Managements ist das Hinweisgebersystem ein wichtiger Baustein, um die Einhaltung von Vorschriften und ethischen Standards im Unternehmen zu gewährleisten. Das Hinweisgeberschutzgesetz (HinSchG) verpflichtet Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten, eine interne Meldestelle einzurichten, die als Anlaufstelle für Whistleblower dient. So wird nicht nur der Schutz der hinweisgebenden Personen sichergestellt, sondern auch die Unternehmenskultur gestärkt, indem Transparenz und Verantwortungsbewusstsein gefördert werden. Unternehmen, die ein effektives Whistleblower-System implementieren, gewinnen an Vertrauen bei Mitarbeitenden, Geschäftspartnern und der Öffentlichkeit und können Risiken gezielt steuern.

Warum ein digitales Meldesystem für Unternehmen?

Ein digitales Meldesystem soll Personen, die einen möglichen Rechtsverstoß unternehmensintern melden, vor Repressalien schützen. Dazu ist absolute Anonymität unbedingt notwendig. Um vollständige Anonymität zu gewährleisten, ist nur ein digitales Meldesystem geeignet, da ansonsten die Handschrift, eine E-Mail-Adresse oder auch die Stimme am Telefon erkannt werden könn(t)en.

Um potenziellen Melder*innen diesen Schutz zu garantieren, sollten Sie darauf achten, dass Ihr Hinweisgebersystem, wie flustron, eine vollständige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verwendet. Zusätzlich ist es empfehlenswert das Hinweisgebersystem auf einer externen Website zur Verfügung zu stellen (anzubieten). Dadurch kann mögliches Tracking durch das Unternehmen verhindert werden.

Arten von Hinweisgebersystemen

Illustration Abkommen

Unternehmen und Organisationen können aus verschiedenen Arten von Hinweisgebersystemen wählen, um den individuellen Anforderungen und gesetzlichen Vorgaben gerecht zu werden. Zu den klassischen Varianten zählen physische Briefkästen, spezielle E-Mail-Adressen oder Telefonhotlines, über die Hinweise eingereicht werden können. Manche Unternehmen setzen zudem auf Ombudspersonen oder externe Mittler, die als neutrale Anlaufstelle für Meldungen dienen.

Moderne digitale Hinweisgebersysteme bieten jedoch entscheidende Vorteile: Sie ermöglichen eine sichere, anonyme und unkomplizierte Meldung von Hinweisen – und das rund um die Uhr, unabhängig vom Standort der hinweisgebenden Person. Viele dieser Systeme unterstützen mehrere Sprachen und sind so auch für international tätige Unternehmen geeignet. Darüber hinaus erleichtern digitale Lösungen die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben und sorgen für eine lückenlose Dokumentation aller Meldungen. So wird nicht nur die Compliance gestärkt, sondern auch die Möglichkeit geschaffen, Hinweise effizient zu bearbeiten und Risiken frühzeitig zu erkennen. Die Wahl des passenden Systems sollte sich daher an den spezifischen Anforderungen, der Unternehmensgröße und der vorhandenen Compliance-Struktur orientieren.

Wie funktioniert ein Whistleblower System?

Ein Hinweisgebersystem funktioniert wie ein virtueller Postkasten. Im Vergleich zu E-Mail sind Absender der Nachricht nicht einsehbar. Um noch mehr Anonymität zu gewährleisten, verwendet flustron keine Tracker auf der Website.

Nach dem Eingang einer neuen Meldung werden die festgelegten Sachbearbeiterinnen automatisch vom System informiert. Sachbearbeiterinnen können zu einem späteren Zeitpunkt mit der anonymen Person über ein Dialogfeld wieder in Kontakt treten, um diese z.B. über den Status der Meldung zu informieren.

Wie setze ich ein Hinweisgebersystem im Compliance Management System am besten ein?

Illustration Wahlurne

Da Hinweisgeber*innen möglichst hürdenfrei von einem Meldesystem Gebrauch machen sollen, ist es empfehlenswert auf der Homepage des Unternehmens den Link öffentlich in der Fußzeile einzubauen, ähnlich wie das aktuell viele Websites mit der Datenschutzerklärung machen.